Hyundai Staria Elektro: Raum für große Reisen
Der Hyundai Staria sah schon wie ein Fahrzeug aus einer anderen Zeit aus, als unter seiner kurzen Haube noch ein Diesel arbeitete. Mit dem Elektroantrieb passen die geschlossene Front, das durchgehende Lichtband und der beinahe kuppelförmige Aufbau nun auch technisch zusammen. Interessant ist aber nicht allein dieser stimmigere Auftritt: Der Staria Elektro bringt schnelle Ladetechnik in einen Großraumvan, der tatsächlich auf die Beförderung vieler Menschen ausgelegt ist.
Sein Gegenentwurf zum siebensitzigen SUV besteht aus einem hohen Dach, großen Fenstern und zwei seitlichen Schiebetüren. Carwow ordnet ihn im Vergleich mit dem Kia PV5 entsprechend als größeren Reise- und Shuttle-Van ein, während der kompaktere Kia stärker auf den normalen Familienalltag zielt. Diese Unterscheidung trifft den Kern: Der Staria lohnt sich vor allem dann, wenn sein zusätzlicher Raum regelmäßig gebraucht wird.
Vertrauter Van, neue Technik
Die elektrische Version entwickelt das vorhandene Staria-Konzept weiter. Hyundai kombiniert es mit Batteriemodulen aus seiner aktuellen Elektrofahrzeugtechnik, einem Hochvoltsystem der 800-Volt-Klasse und einem an der Vorderachse arbeitenden Antrieb. Daraus wird nicht automatisch ein IONIQ mit anderer Karosserie: Gemeinsame elektrische Komponenten sind von einer vollständig identischen Fahrzeugplattform zu unterscheiden.
Auch unterhalb der Karosserie bleibt es nicht beim Motorwechsel. Für den Elektro-Staria beschreibt Hyundai strukturelle Anpassungen am Fahrwerk, eine überarbeitete Abstimmung beider Achsen und zusätzliche schallabsorbierende Materialien. Das ist bei diesem Fahrzeugkonzept besonders relevant: Zwischen einer Solofahrt und einer Reise mit mehreren Erwachsenen und Gepäck liegen erhebliche Belastungsunterschiede. Wie gut Federung und Geräuschdämmung diese abdecken, muss ein unabhängiger Test der elektrischen Version noch zeigen.
Was 800 Volt hier bringen
Der technische Nutzen der höheren Spannung liegt im Stromfluss. Für dieselbe elektrische Leistung wird bei höherer Spannung weniger Strom benötigt. Dadurch können die stromabhängigen Wärmeverluste in Leitungen und Verbindungen sinken. Das erleichtert hohe Ladeleistungen, ersetzt aber weder ausreichend belastbare Zellen noch eine passende Kühlung. Beim Staria ist die Technik deshalb vor allem als Voraussetzung für kurze, wiederholbare Reiseunterbrechungen interessant.
Zum 84-kWh-Batteriepaket gehören 80 kWh nutzbare Energie; maximal sind 256 kW DC-Ladeleistung vorgesehen. Diese Kombination zeigt, dass Hyundai den großen Van nicht ausschließlich über einen möglichst großen Akku reisetauglich machen will. Ein zügiger Energienachschub soll die begrenzte Energiemenge ergänzen. Der frontseitige Ladeanschluss erleichtert das Heranfahren an viele Säulen, verlangt aber gerade mit Anhänger eine geeignete Stellplatzanordnung.
Zwanzig Minuten mit Bedingungen
Für zehn bis 80 Prozent nennt Hyundai ungefähr 20 Minuten unter optimalen Bedingungen; die technische Dokumentation bezieht sich auf eine 350-kW-Ladestation. Deren Nennleistung ist nicht mit der Aufnahmeleistung des Autos gleichzusetzen. Ebenso wenig hält der Staria seine maximale Ladeleistung zwangsläufig über den gesamten Ladevorgang. Entscheidend sind der Verlauf der Ladekurve und die Temperatur der Batterie.
Eine Größenordnung lässt sich aus den Angaben ableiten: 70 Prozent von 80 kWh entsprechen rund 56 kWh. Werden diese in einer Drittelstunde gespeichert, ergibt das rechnerisch etwa 168 kW mittlere batterieseitige Leistung. Das ist eine Plausibilitätsrechnung ohne Ladeverluste, kein gemessener Ladetest. Sie erklärt aber, weshalb ein kurzer Spitzenwert allein die versprochene Pause noch nicht belegt. An Wechselstrom bleiben elf kW maßgeblich, passend zum längeren Nachladen zu Hause oder am Betriebshof.
Wärme gezielt einsetzen
Batterie-Vorkonditionierung, Batterieheizung und Wärmepumpe gehören in Deutschland bereits zur Grundausstattung. Die Funktionen lösen unterschiedliche Aufgaben: Eine vorbereitete Batterie soll am Schnelllader im geeigneten Temperaturbereich arbeiten, während die Wärmepumpe den Energiebedarf für die Innenraumheizung begrenzen kann. Gerade ein hoher, mehrfach verglaster Van mit häufig geöffneten Schiebetüren stellt andere Anforderungen an die Klimatisierung als ein kompakter Pkw.
Die bis zu 430 Kilometer WLTP-Reichweite beschreiben deshalb keinen garantierten Autobahnabschnitt mit voller Besetzung. Tempo, Außentemperatur und zusätzliche Aufbauten verändern den Verbrauch. Zudem wird auf Reisen meist nur ein Teil der Batterie genutzt, weil man vor dem Leerstand laden und oberhalb von 80 Prozent längere Ladephasen vermeiden möchte. Die Kombination aus Batterievorbereitung und kurzer Ladepause ist für den Staria damit mindestens so wichtig wie die Normreichweite.
Sieben oder neun Plätze
Trend und Prime besitzen neun Sitze, der Calligraphy sieben. Das ist mehr als eine unterschiedliche Bestuhlung derselben Lounge. Beim Siebensitzer stehen zwei elektrisch verstellbare Komfortsessel in der zweiten Reihe im Mittelpunkt. Mit Relax-Funktion, Heizung, Belüftung und verstellbaren Beinauflagen richten sie sich an Passagiere, die unterwegs bewusst mehr eigenen Raum beanspruchen. Ein Walk-in-Schalter unterstützt den Zugang nach hinten.
Der Neunsitzer setzt den vorhandenen Innenraum stärker für zusätzliche Mitreisende ein. Verschiebbare Sitze erlauben es, Beinfreiheit und Gepäckraum gegeneinander abzuwägen. Die größere Sitzanzahl bedeutet dabei keineswegs automatisch weniger Kofferraum: Die Sitzarchitektur des komfortorientierten Siebensitzers beansprucht selbst viel Platz. Wer zwischen beiden Konzepten entscheidet, sollte deshalb die tatsächlich benötigte Sitzposition aller Reihen zugrunde legen, nicht nur die maximale Literangabe.
Raum hat auch Grenzen
Die deutsche Spezifikation beziffert den Gepäckraum beim Neunsitzer je nach Sitzstellung auf 831 bis 1.303 Liter, beim Siebensitzer auf 117 bis 431 Liter. Diese Spannweiten machen den Zielkonflikt deutlich. Der zusätzliche 24-Liter-Frunk ist dagegen vor allem für das Ladekabel praktisch: Es bleibt erreichbar, wenn der hintere Laderaum schon vollständig mit Reisegepäck gefüllt ist.
Der ADAC lobte beim früheren Staria Hybrid das luftige Raumgefühl, kritisierte aber die eingeschränkte Wandelbarkeit durch nicht herausnehmbare Sitze und kurze Verstellwege. Das ist kein Testbefund zum Elektro-Staria, sondern ein sinnvoller Prüfpunkt für dessen Sitzkonzept. Auch die Außenmaße verdienen Aufmerksamkeit: Gut 5,25 Meter Länge und fast zwei Meter Höhe verschwinden nicht durch Schiebetüren. Diese erleichtern das Einsteigen neben anderen Autos; die große Heckklappe braucht trotzdem Platz hinter dem Fahrzeug.
Anhänger statt Verzicht
Mit bis zu zwei Tonnen gebremster Anhängelast eröffnet der Staria Elektro Nutzungen, die über den Personentransport hinausgehen. Die Freigabe ist ein wichtiger Unterschied zu dem vom ADAC getesteten Hybrid, bei dem der Club die fehlende Anhänge- und Stützlast ausdrücklich bemängelte. Beim Elektroantrieb ist das Ziehen eines Anhängers deshalb kein bloß theoretischer Vorteil des verfügbaren Drehmoments, sondern eine vorgesehene Einsatzmöglichkeit.
Davon getrennt bleibt die Zuladung des Zugfahrzeugs. Hyundai nennt bis zu 750 Kilogramm, doch dieser Höchstwert gilt nicht pauschal für jede Sitz- und Ausstattungsversion. Mitreisende, Gepäck, Zubehör und die auf das Fahrzeug wirkende Stützlast teilen sich die verfügbaren Reserven. Für lange Fahrten mit Wohnwagen ist außerdem die Ladeplatzgeometrie wichtig: Der vordere Anschluss kann günstig liegen, eine kurze Parkbucht macht daraus aber noch keinen Durchfahrtsladeplatz.
Bedienung für den Reisealltag
Im Cockpit stehen zwei 12,3-Zoll-Anzeigen für Instrumente und Infotainment bereit. Der elektronische Fahrstufenwähler sitzt an der Lenksäule und hält die Mitte von einem klassischen Schalthebel frei. Für häufig verwendete Funktionen bleiben physische Bedienelemente erhalten. Das passt zum Einsatzprofil: Klimatisierung und grundlegende Fahrzeugfunktionen sollten auch dann erreichbar sein, wenn im Fond gerade mehrere Gespräche gleichzeitig laufen.
Im Calligraphy unterstützt der Passenger-View- und Talk-Modus die Verständigung über die Sitzreihen hinweg. Eine Kamera zeigt den Fond auf dem Display, die Stimme des Fahrers wird über die hinteren Lautsprecher übertragen. Das ist in einem langen Van ein funktionaler Mehrwert. Ein kurzer Kamerablick ersetzt jedoch nicht die Aufmerksamkeit für den Verkehr. Navigation, Autobahnassistent und Rundumsichtkamera sind zudem beim Trend an das Assistenz-Paket gebunden, während Prime und Calligraphy diese Ausstattung bereits mitbringen.
Strom auch neben dem Auto
Vehicle-to-Load macht den Antriebsakku zur Energiequelle für externe Geräte. Bis zu 3,5 kW stehen für passende Verbraucher zur Verfügung, etwa für Ladegeräte, Beleuchtung oder Ausrüstung am Ausflugsziel. Der Strom wird über den Außenadapter oder eine 230-Volt-Steckdose im Innenraum bereitgestellt. Beim Trend gehört diese Funktion zum Assistenz-Paket; sie ist nicht automatisch Bestandteil jedes Staria Elektro.
Für Laptops und Mobilgeräte sind außerdem USB-C-Anschlüsse bis 100 Watt vorgesehen. Damit lässt sich ein Arbeitstag im Fahrzeug anders organisieren als mit einer Sammlung kleiner Smartphone-Lader. V2L ist allerdings keine Zusage für die Einspeisung ins Hausnetz. Und jede entnommene Kilowattstunde fehlt anschließend für die Fahrt: Der praktische Nutzen liegt in der flexiblen Stromversorgung, nicht in zusätzlicher Energie unabhängig vom Fahrzeugakku.
Camper-Idee, klare Trennung
Wie weit sich das Konzept weiterdenken lässt, zeigte Hyundai mit dem Staria Camper Concept auf der CMT 2026. Die Studie kombiniert ein elektrisch aufstellbares Dach mit einem Solarmodul, drehbaren Vordersitzen und einer zum Bett umbaubaren hinteren Sitzanlage. Das verdeutlicht die Rolle des Staria als mögliche Basis für Freizeitfahrzeuge. Diese Ausstattung gehört jedoch nicht zum regulären Sieben- oder Neunsitzer.
Eine mögliche Serienversion des Campers stellte Hyundai ausdrücklich unter Vorbehalt. Für den normalen Staria Elektro liegt das greifbare Angebot bereits anderswo: viel Passagierraum, ernst zu nehmende Anhängefähigkeit und eine auf kurze Ladepausen ausgelegte Elektroarchitektur. Unabhängige Verbrauchs-, Komfort- und Ladetests müssen noch zeigen, wie gut diese Eigenschaften unter voller Beladung zusammenkommen. Die vorhandenen Medienvergleiche beschreiben bislang vor allem das Konzept, nicht dessen abschließende Bewährung im Reisealltag.